Im Dresdner Norden, gleich am Autobahndreieck, fahren unablässig Lastwagen auf eine Baustelle im Gewerbegebiet, auf einer ehemaligen Grünfläche parken Hunderte Autos. Kräne schwenken durch den Himmel. ESMC baut hier eine Fabrik. Vor der Baustelle steht Jörg Wimmer. Er vertritt Dresdner Bauträger, also Firmen, die Wohnungen bauen könnten, aber zur Zeit abwarten. "Aktuell brauchen wir 20 Euro Kaltmiete und da möchte keiner mieten. In der Stadt gibt es immer noch Wohnungen zwischen acht bis zwölf Euro Miete. Solange es die gibt, mietet keiner eine Wohnung mit 20 Euro. Da bleiben die Wohnungen halt leer."

Neubau von Wohnungen in Dresden derzeit zu teuer

Bauen ist teuer. Wenn man die Baustandards absenken würde, würde das gegebenenfalls die Kosten senken, sagt Wimmer. Keine Tiefgaragenpflicht für Neubauten und hohe Mietskasernen statt flache. Ausreichend Bauflächen gibt es in Dresden. Direkt in der City, aber auch in der Nähe der Chipfabriken. Mal für 900, mal für mehr als 2.000 Wohnungen.

Auf dem ehemaligen Robotrongelände in der Dresdner Innenstadt sollen 660 Wohnungen entstehen, die meisten davon Sozialwohnungen.Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch im Umland, zum Beispiel in Ottendorf-Okrilla. "Die haben auch viel Potenzial", sagt Dresdens Baubürgermeister Stephan Kühn. "Die haben Leerstand, die haben genauso noch Flächen, die bebaut werden können. Das heißt, das Ganze soll eine Win-Win-Situation für Stadt und Umland werden." Insgesamt gibt es Platz für mehr als 12.000 Tausende neue Wohnungen in Dresden und Umland.

Der Dresdner Baubürgermeister sieht auch im Umland der Landeshauptstadt viel Potenzial für den Wohnungsbau.Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Ganze soll eine Win-Win-Situation für Stadt und Umland werden.

Stephan Kühn Baubürgermeister Dresden

Erste ESMC-Mitarbeiter kommen dieses Jahr

Und eigentlich wäre Eile geboten, denn ESMC bringt die ersten Mitarbeiter schon dieses Jahr nach Dresden. 2027 sollen 2.000 Mitarbeiter im Werk arbeiten, Tausende sollen folgen, auch bei Zulieferern. Wenn der Markt es regelt, werden Mieter verdrängt. "Die Gefahr der Mieterverdrängung ist da. Wir steuern dagegen mit dem Instrument der Mietpreisbremse und wir sind bei allen großen Projekten dabei, Sozialwohnraum zu schaffen," so der Baubürgermeister.

Könnten "Werkswohnungen" helfen?

Es gibt auch die Idee für ein Werkswohnungsmodell für die neuen Chip-Arbeiter. Die Industrie müsse dabei helfen, sagt Jörg Wimmer für die Dresdner Bauträger: "Die Zinsen sind aktuell sehr hoch. Wenn die Chipindustrie beispielsweise das Eigenkapital stemmen könnte, würden wir an die Chipindustrie weiter vermieten. Dann würde das Eigenkapital steigen und die Finanzierungskosten würden sinken. Damit sinken auch die Mietkosten."

Jörg Wimmer von den Dresdner Bauträgern möchte die Chipindustrie beim Wohnungsbau mit ins Boot nehmen. Das könnte die Mietkosten senken, so der Unternehmer.Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Chipindustrie, Bauherren und Kommunen wollen sich dazu an einen Tisch setzen, die Stadt Dresden hat eingeladen. "Die bringen wir zusammen, damit sie längerfristige Mietverträge abschließen und dadurch die Bauträger die Finanzierung bei den Banken bekommen," hofft Baubürgermeister Stephan Kühn.

Branchenverband der Chipindustrie zurückhaltend

Doch der Branchenverband der Chip-Industrie Silicon Saxony lässt bislang wenig Engagement erkennen, sich selbst am Wohnungsbau zu beteiligen. Durch seinen Geschäftsführer Frank Bösenberg lässt der Verband schriftlich mitteilen, es boome in der Region: "Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um in den Wohnungsbau zu investieren, denn dies ist auch ein klares Signal an die Bauwirtschaft, dass sich ein Engagement in der Region lohnt."

Jeder Dresdner wird einen hohen Preis für die Chipindustrie bezahlen.

Jörg WimmerDresdner Bauträger "Stadtgestalter"

Das stimmt wenig hoffnungsvoll, dass ausreichend Wohnungen in kurzer Zeit gebaut werden. Jörg Wimmer von den Dresdner Bauträgern befürchtet mögliche soziale Verwerfungen. "Das ist ein riesiger sozialpolitischer Skandal. Das was auf uns zukommen wird. Jeder Dresdner wird einen hohen Preis für die Chipindustrie bezahlen."

MDR (kbe, Arnd Groß)

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