15 Sanitäter und Hilfskräfte werden in einem Massengrab gefunden. Die UN geht davon aus, dass Israel Schuld trägt und fordert "Antworten und Gerechtigkeit". Ein Arzt sieht Hinweise auf eine Hinrichtung. Israels Armee stellt den Vorfall anders dar.

Die 15 toten Sanitäter und Hilfsarbeiter, die vor wenigen Tagen aus einem Massengrab im Gazastreifen geborgen wurden, könnten in "einer Art Hinrichtung" getötet worden sein, sagte der forensische Gutachter Ahmad Dhaher dem "Guardian". Die UN hatte zuvor die israelische Armee beschuldigt, die Hilfskräfte getötet zu haben. Dhaher, der mehrere der Leichen untersucht hatte, sagte laut Bericht: "Vorläufige Analysen deuten darauf hin, dass sie nicht aus der Ferne erschossen wurden, da die Schusswunden gezielt und absichtlich gesetzt wurden."

Die Kugeln seien bei einer Person beispielsweise auf den Kopf, bei einer anderen ins Herz, und bei einer dritten Person mehrfach in den Oberkörper gefeuert worden. Es gebe jedoch "Raum für Ungewissheit", wegen der Zersetzung der Überreste und da in anderen Fällen die Treffer weniger präzise wirkten.

Die Toten, acht medizinische Mitarbeiter des palästinensischen Roten Halbmonds, sechs Mitglieder des Zivilschutzes und ein UN-Mitarbeiter, waren laut UN unterwegs, um Verletzte aufzusammeln. Der UN-Untergeneralsekretär für humanitäre Angelegenheiten, Tom Fletcher, schrieb auf X, die Leichen seien zusammen mit ihren zerstörten und klar markierten Krankenwagen und einem UN-Fahrzeug begraben worden. "Sie wurden von israelischen Streitkräften getötet, als sie versuchten, Leben zu retten. Wir fordern Antworten und Gerechtigkeit."

Israels Armee erklärte, die IDF-Soldaten hätten das Feuer auf die Krankenwagen und Rettungsfahrzeuge eröffnet, weil diese sich "verdächtig auf die IDF-Truppen zubewegten, ohne Scheinwerfer oder Notsignale". Zuvor haben die Soldaten demnach bereits Schüsse auf Fahrzeuge der Hamas abgegeben. Bei dem Angriff haben die Soldaten laut Armee auch ein Hamas-Mitglied, Mohammad Amin Ibrahim Shubaki, sowie "acht weitere Terroristen" der Hamas und des Palästinensischen Islamischen Dschihad getötet. Die Armee sprach von einem Missbrauch von Krankenwagen für Terrorzwecke.

Leichen mitsamt Autos begraben

Shubaki war dem "Guardian" zufolge jedoch nicht unter den Leichen, die am Samstag und Sonntag aus dem Massengrab außerhalb von Rafah geborgen wurden. Fragen, warum die Toten mit ihren Fahrzeugen begraben wurden, habe Israels Armee demnach nicht beantwortet.

Der einzige Überlebende der Schüsse, Munther Abed, ein Freiwilliger des Roten Halbmonds, widersprach der offiziellen israelischen Darstellung und sagte, die Krankenwagen hätten sich an die Sicherheitsprotokolle gehalten, als sie angegriffen wurden. "Tagsüber und nachts ist es das Gleiche: Außen- und Innenbeleuchtung sind eingeschaltet. Alles deutete darauf hin, dass es sich um einen Krankenwagen des Palästinensischen Roten Halbmonds handelt. Alle Lichter waren an, bis wir unter direkten Beschuss gerieten", sagte Abed gegenüber BBC Radio 4. Er bestritt, dass sich ein Mitglied einer militanten Gruppe in dem Krankenwagen befand.

Die deutsche Bundesregierung unterstützt internationale Forderungen nach einer Untersuchung. "Auch wir finden, dass eine umfassende Untersuchung der Vorfälle notwendig ist", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes. Die Bilder aus Rafah seien "bestürzend".

Der Leiter des UN-Amts für humanitäre Angelegenheiten in Palästina, Jonathan Whittall, schrieb auf X, der Weg zum Massengrab sei ihm und seinem Team erst fünf Tage nach dem Beschuss erlaubt worden. "Ersthelfer sollten niemals ein Ziel sein", fügte er hinzu. "Sie wurden in ihren Uniformen getötet. Sie fuhren ihre deutlich gekennzeichneten Fahrzeuge. Sie trugen ihre Handschuhe. Sie waren unterwegs, um Leben zu retten. Das hätte nie passieren dürfen."

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