US-Finanzminister Scott Bessent warnt. Falls andere Staaten auf die Idee kommen sollten, auf die am Mittwoch durch US-Präsident Trump verkündeten Zölle mit Gegenzöllen zu reagieren, so werde das Konsequenzen haben. Dies werde zu einer Eskalation führen, sagte Bessent dem Sender Fox News.
Die betroffenen Staaten – und das sind fast alle auf der Welt – müssen sich allerdings meist erst sortieren. Die meisten wollen besonnen reagieren, setzen vor allem auf Verhandlungen. Einige finden allerdings schon klare Worte und drohen mit Gegenmaßnahmen.
Von der Leyen: EU bereitet Gegenmaßnahmen vor
Ursula von der Leyen, Präsidentin der EU-Kommission, sprach von einem „schweren Schlag für die Weltwirtschaft“. „Wir bereiten uns jetzt auf weitere Gegenmaßnahmen vor, um unsere Interessen und unsere Unternehmen zu schützen, falls die Verhandlungen scheitern.“
„Millionen von Menschen werden mit höheren Lebensmittelrechnungen konfrontiert sein. Medikamente werden teurer, ebenso der Transport. Die Inflation wird ansteigen. Und dies schadet vor allem den wirtschaftlich schwächsten Bürgern“, erklärte sei.
Die EU werde nun prüfen, welche Instrumente im Werkzeugkasten am besten geeignet seien, kündigte der Vorsitzende des Handelsausschusses im Europäischen Parlament an, der deutsche SPD-Politiker Bernd Lange. „Alle betroffenen Länder müssen geschlossen reagieren und eine klare Botschaft an die USA senden, um diesem Zollwahnsinn ein Ende zu setzen“, sagte er.
Es sei zu hoffen, dass die Argumente und die Entschlossenheit der Antwort genügend Anreize bieten, um die USA an den Verhandlungstisch zu bringen. Er wünsche sich, dass die Regierung Trump an einem Dialog mit der EU interessiert sei, sagte Lange. Aber sicher sei er sich dessen nicht. Für den Fall mangelnder Verhandlungsbereitschaft der USA prophezeit der SPD-Europaabgeordnete eine harte Auseinandersetzung. „Wir werden nicht klein beigeben: Wir werden unsere Souveränität verteidigen“, warnte er.
Andere Europaparlamentarier äußerten sich ähnlich besorgt. „Diese Ankündigungen sind eine Vollkatastrophe und leider eine Fortschreibung der handelspolitischen Geisterfahrt von Donald Trump“, kommentierte der Vorsitzende der CDU/CSU-Gruppe, Daniel Caspary.
Der wirtschafts- und finanzpolitische Sprecher der Grünen, Rasmus Andresen, sagte, es sei nun Zeit, amerikanische Techkonzerne und Banken zu sanktionieren. Es müssten Maßnahmen ergriffen werden, mit denen man Trump und seine Unterstützer wie Elon Musk und Mark Zuckerberg in der Substanz treffe. Das seien etwa eine EU-Digitalsteuer und strukturelle Maßnahmen zur Einschränkung von Geschäftsmodellen.
Der Vorsitzende der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament, Manfred Weber (CSU), bezeichnete die Zölle als schädlich für die USA und Europa. Die Zölle verteidigten nicht den freien Handel, sondern „schaden beiden Seiten des Atlantiks“, schrieb Weber am Mittwochabend auf Englisch im Onlinedienst X. Europa sei „geeint“ und „bereit, seine Interessen zu verteidigen“. Gleichzeitig sei Europa jedoch „offen für faire“ Gespräche. „Wir wollen einen guten Deal mit den USA“, fuhr Weber fort. „Ohne Verlierer – nur Gewinner.“
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni kritisierte die Einführung weitreichender neuer Zölle durch die USA als „falsche“ Maßnahme. Das gewaltige Zollpaket nütze weder den USA noch Europa, schrieb Meloni in einem Post in den sozialen Medien. Bereits zuvor hatte die Regierungschefin vor einem möglichen Handelskrieg gewarnt.
Sie gilt im Kreis der Europäer als bevorzugte Ansprechpartnerin Trumps und bot sich bereits mehrfach als Brückenbauerin zwischen den USA und der EU an. „Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um auf eine Einigung mit den USA hinzuarbeiten, mit dem Ziel, einen Handelskrieg zu verhindern, der den Westen unweigerlich zugunsten anderer globaler Akteure schwächen würde“, teilte die Politikerin mit. Ihre Regierung werde weiter im „Interesse Italiens und seiner Wirtschaft handeln“ und sich dafür mit europäischen Partnern beraten.
Großbritannien und Australien halten sich zurück
Großbritannien wird Wirtschaftsminister Jonathan Reynolds zufolge angesichts der US-Zölle „ruhig und entschlossen“ bleiben, ein Wirtschaftsabkommen mit den USA anzustreben. „Wir haben eine Reihe von Instrumenten zur Verfügung und werden nicht zögern zu handeln“, heißt es in einer Erklärung. Darin weist Reynolds auch darauf hin, dass die USA der engste Verbündete des Königreichs seien. Die USA haben für Großbritannien Zölle von zehn Prozent vorgesehen.
Australien wird Ministerpräsident Anthony Albanese zufolge auf Vergeltungszölle verzichten. „Wir werden weiterhin mit Nachdruck dafür eintreten, dass diese ungerechtfertigten Zölle für unsere Exporteure aufgehoben werden“, sagte er. Die von den USA angekündigten Aufschläge seien „nicht die Tat eines Freundes“. Die Maßnahme werde die Kosten für amerikanische Haushalte in die Höhe treiben.
Die Schweiz nimmt die Ankündigung der USA zur Kenntnis. Der Bundesrat werde rasch das weitere Vorgehen festlegen, schreibt Präsidentin Karin Keller-Sutter auf dem Kurznachrichtendienst X. „Im Vordergrund stehen die langfristigen wirtschaftlichen Interessen des Landes. Treue zum internationalen Recht und Freihandel bleiben zentrale Werte“, erklärt sie weiter. Die USA haben die Schweiz mit Zöllen von 31 Prozent belegt.
Kanadas Ministerpräsident Mark Carney dagegen kündigte bereits Gegenmaßnahmen an. Diese würden am Donnerstag bekannt gegeben, sagt er vor einer Kabinettssitzung. „Es ist wichtig, zielgerichtet und mit Nachdruck zu handeln, und genau das werden wir tun.“ Dem US-Präsidialamt zufolge gilt der neue Basiszoll von zehn Prozent zwar nicht für Kanada. Allerdings bleiben die US-Zölle von 25 Prozent für viele Güter im Zusammenhang mit Drogen- und Einwanderungsfragen in Kraft.
China forderte die USA auf, die neuesten Zölle unverzüglich aufzuheben und kündigte Gegenmaßnahmen an. „China lehnt dies entschieden ab und wird Gegenmaßnahmen ergreifen, um seine eigenen Rechte und Interessen zu schützen“, so das chinesische Handelsministerium in einer Erklärung. Der Schritt der USA missachte den Interessenausgleich, der in multilateralen Handelsverhandlungen im Laufe der Jahre erreicht worden sei.
Der amtierende südkoreanische Präsident Han Duck-soo ordnete Sofortmaßnahmen zur Unterstützung von Unternehmen an, die von den US-Zöllen betroffen sind. Die USA verhängten gegen Südkorea Gegenzölle von 25 Prozent. „Da der globale Handelskrieg zur Realität geworden ist, muss die Regierung all ihre Fähigkeiten einsetzen, um die Handelskrise zu überwinden“, sagte Han nach Angaben des Ministeriums bei einem Treffen mit dem Finanzminister und anderen Spitzenbeamten. Han bat den Industrieminister, den Inhalt der Zölle zu analysieren und aktiv mit Washington zu verhandeln, um die Auswirkungen der US-Zölle zu minimieren.
Japan reagiert besorgt auf das Zollpaket. Man habe der amerikanischen Seite gesagt, dass die Maßnahmen „äußerst bedauerlich“ seien, sagte Regierungssprecher Yoshimasa Hayashi. Man habe „nachdrücklich gebeten“, die Maßnahmen zu überdenken. Im Falle der Hightech-Nation Japans belaufen sich die neuen Zölle auf 24 Prozent.
Der brasilianische Kongress billigte ein Gesetz, das der Regierung eine Reaktion auf mögliche Handelskonflikte erlaubt. Das sogenannte Gesetz über die wirtschaftliche Gegenseitigkeit wurde am Mittwoch einstimmig vom Repräsentantenhaus verabschiedet, nachdem am Dienstag bereits die zweite Kongresskammer, der Senat, grünes Licht gegeben hatte.
Das Gesetz besagt, dass die Regierung „Gegenmaßnahmen“ zu „Aktionen, Strategien oder einseitigen Praktiken eines Landes oder Wirtschaftsblocks ergreifen“ kann, die sich „negativ auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit brasilianischer Waren und Produkte auswirken“. Es sei „ein zusätzliches Instrument in den Händen der Regierung in den Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten“, sagte der Abgeordnete Lindbergh Farias.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke